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Klang-Archetypen


 


Der Begriff des Klang-Archetypus geht auf die musiktherapeutischen Arbeiten mit veränderten Wachbewusstseinszuständen von Wolfgang Strobel zurück. Er beschreibt die Archetypen als energetische
Urmuster, beziehungsweise Urkräfte, die im akustischen Bereich verwurzelt sind.
Deren durch Klänge induziertes Auftreten ist abhängig von der individuellen Klangfarbe
eines Instruments sowie der Spielweise. Der Begriff Klang-Archetyp verbindet
das energetische und physikalische Phänomen Klang und den damit in Resonanz
stehenden psychologischen Bedeutungsbereich im Menschen.


Strobel verwendet diesen Begriff in Anlehnung an die psychologischen Dimensionen Carl Gustav Jung’s und dadurch auch die Erkenntnisse Johannes Keplers, der Archetypen in sehr
ähnlichen Sinnzusammenhängen benutzt hat. Der durch das Christentum geprägte
Kepler vermutete eine Verbindung zwischen physikalischen Phänomenen der äußeren
Umwelt und Strukturen der menschlichen Seele. Seinen Ausführen zu Folge
existieren gewisse Gesetzmäßigkeiten, die als Kernelement, in jedem Aspekt des
Seins wieder aufzufinden sind. Diese Urmuster sind am ehesten als Schwingungen
begreifbar, die im akustischen Bereich hörbar, im visuellen Bereich sehbar,
über Nase und Mund riech- und schmeckbar sind und über die taktile Wahrnehmung
der Haut gespürt werden können. Kepler sieht all diese Wahrnehmungen als
Abbilder einer gemeinsamen Ureinheit, sozusagen dem gemeinsamen Kern der
Sinneswahrnehmung, ihrer Quintessenz, die in verschiedenen Ausprägungen und auf
verschiedenen Wegen für den Menschen erfahrbar sind. Dem zu Folge läuft im
Menschen dieses energetische Urmuster durch die Sinneskanäle wieder zusammen,
nachdem es vorher in seine verschiedenen Instanzen in der belebten und
unbelebten Natur aufgespalten wurde. Somit erkennt die menschliche Seele
mittels der Sinneskanäle grundlegende Gesetzmäßigkeiten, die innen und außen
verbinden. Auf diese Weise können sich Menschen in tiefer Verbundenheit mit
allem Seienden. Kepler, der anders als Jung von sinnesübergreifenden
Schwingungsvorgängen berichtet, beschreibt in seiner physikalischen Weltsicht
somit das Prinzip archetypischer Urformen.


In der Jung’schen Psychologie bezieht sich der Begriff Archetypus auf einen Teil des kollektiven Unbewussten, das „in allen Menschen identisch ist und somit eine in jedermann vorhandene, allgemeine
seelische Grundlage überpersönlicher Natur bildet“. Bei Jung handelt es sich
jedoch anders als bei Kepler ausschließlich um Bilder, denen er archetypische
Qualitäten zuweist und sie als „kollektives Strukturelement der menschlichen
Seele überhaupt“ bezeichnet. In seiner Theorie eines kompensatorischen
Verhältnisses zwischen Bewusstem und Unbewusstem kommen den Archetypen
„regulierende, modifizierende und motivierende Kräfte bei der Gestaltung der
Bewusstseinsinhalte“ zu. In diesem Sinne sind sie ein Ausdruck des
Mensch-Seins. Diese visuellen Archetypen zeigen sich in variierenden Symbolen,
die im Kern eine gemeinsame unanschauliche Grundform beherbergen und durch die
sich bei Menschen in ähnlichen Lebenssituationen vergleichbare Bilder,
Emotionen und Triebe offenbaren. Wenn ein Archetyp konstelliert ist geht dies
mit heftigen Emotionen, sowie intensiven Phantasien, Visionen und Ideen einer
Utopie einher, die das Erleben um den archetypischen Bedeutungskern herum
binden.[1]


Strobel folgend, kann das Erleben unterschiedlicher Klänge durch einen Menschen Kontakt zu bestimmten Erlebnis- und Erfahrungsbereichen dieser Person herstellen. Hierbei macht er verschiedene
Klangarchetypen aus, die durch bestimmte Instrumente ausgelöst werden können.
Dies hängt zum einen mit den Eigenschaften des Instrumentes (Klangfarbe,
Frequenz) und zum anderen mit der Spielweise dieses Instrumentes zusammen. In
Anlehnung an Kepler könnte hier folgernd geschlossen werden, dass die
verschiedenen Klänge unterschiedliche, jedoch spezifische Verhältnisse im
Menschen aufleuchten lassen. So kann durch die Klänge ein anvisiertes Thema,
wobei hier laut Strobel neben transpersonalen Erfahrungen, ein relativ hoher
Anteil des Erlebens aus prä- und perinatalen Zeiten stammt, aktualisiert und
dadurch bewusstseinsfähig werden. Möglicherweise hat dies damit zu tun, das in
der präverbalen Lebensphase im Mutterleib, Klängen als nonverbales Medium eine
besondere Bedeutung inne wohnt. Es gilt zu bedenken, dass der Mensch in seiner
ontogenetischen Entwicklungsphase im Mutterleib seine physiologischen und
psychischen Strukturen und Funktionen, anhand des Bauplans seines Genoms, der
erst in kontinuierlicher Interaktion mit der ihn umgebenden Umwelt zur
Expression gelangt, zu großen Teilen bereits ausbildet. Die Affinität zu den
ihn umgebenden Schwingungen ist somit in gewisser Weise bereits „angeboren“. Es
können sich jedoch auch Erlebnisse aus anderen Lebensabschnitten zeigen.
Aufgrund der unzähligen Variablen, die in der Gesamtsituation eines solchen
Erlebnisses mitschwingen (Sitter, Setting, Set) ist es jedoch zumeist unklar ob
dieses anvisierte Thema überhaupt ins Bewusstsein zu dringen vermag. Eine mittels
Klang ausgelöste archetypische Erlebnisqualität kann durch biographische Vorerfahrungen
blockiert sein. In einem solchen Fall ruft der Klang auf dem Weg in den
archetypischen Raum häufig dieses Ereignis in das Bewusstsein zurück. Nach einer
korrektiven Neuerfahrung und dem damit verbundenen „durcharbeiten“ eines
blockierenden lebensgeschichtlichen Themas, kann der Klang mit der eigentlichen
archetypischen Erlebnisebene in Resonanz treten und losgelöst von
biographischen Erinnerungen den Menschen auf dem Weg in diesen Raum begleiten.


Es ist davor zu warnen, Klangarchetypen als mechanistische Zahnrädchen zu betrachten, die in Gang gesetzt werden und dann ihrerseits bestimmte, vorher definierbare Effekte hervor rufen. Diese Effekte
können auftreten. Aber es gibt zu viele Einflussfaktoren im Therapeuten(team),
im Klienten, in der Eigenheit der Instrumente und der Umgebungsbedingungen, als
das der Prozess Klangtrance auf eine einfache wenn->dann Operation
reduzierbar wäre.


(vgl. Kepler, 1982, S. 201ff.; Strobel, 2005, S. 85ff., S. 103ff.; Kast, 2007, S. 114ff.)






[1] Hierzu vertiefend: C.G. Jung, Archetypen, 2008; C.G. Jung, Die Beziehungen zwischen dem Ich und dem Unbewussten, 2007



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Replies to This Discussion

Vielen Dank für diese fundamentalen Ausführungen, denen ich mich vorbehaltlos anschliessen möchte; ergänzend angedeutet; die planetarischen Stimmtöne der kosmischen Oktave sind in meiner integralen Klangarbeit diejeningen Ordnungs-Frequenzen, mir denen sich die verschiedene Archetypen erschliessen lassen; realtiv unabhängig vom Instrument das die Frequenz liefert oder Spielart des Interpreten.
In meiner Erfahrung ist diese Arbeit jedoch eine sehr langwierige und ich bin der Meinung, das einige entscheidende Erkenntnisse, die für das Verständnis der Zusammenhänge zwischen Körper, Geist und Seele Grundlage sein müssen, sich noch nicht wirklich "herumgesprochen" haben; aber deswegen haben wir ja noch einige Jahre der Arbeit vor uns,.........
einen schönen schwingungsvollen Tag Dir! und Euch!
Hallo Jens,
leider habe ich mich mit den Ideen von Hans Cousto noch nicht auseinander gesetzt, da ich gerade dabei mich in sinnvoler Reihenfolge durchd as Instrumentarium der Gongtrance wie sie von Peter Hess entwickelt wurde durchzuarbeiten. Das Thema der kosmischen Oktave finde ich aber sehr interessant. Das wird mich auf jeden fall noch beschäftigen. Dann komme ich sicherlich auch nochmal auf dieses Kommentar von dir zurück.
Bis dahin
Es gibt ja zwei Peter Hess, oder? Welchen meinst Du denn?
ich meine nicht den Klangschalen Peter Hess, sondern den hier, mit dem du auch eine connection eingegangen bist...
sehr schön! da bist Du ja in besten Händen :-)

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