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Die Ocean Drum


Es gibt keinen Boden, keinen Halt, nichts hat Bestand, alles ist ständig


in Bewegung, alles verändert sich, ist flüchtig, alles fließt – panta rhei.


Vom „im Fluss sein“ ist die Rede und vom „Fluss des Lebens“.


Die Botschaft ist „es gibt kein bleibendes Sein“. [1]


 


Die Ocean Drum ist ein besonderer Abkömmling der Trommelgattung. Sie ist am ehesten mit einer Rahmentrommel vergleichbar, wurde jedoch erst in den neunziger Jahren
entwickelt und kann somit als sehr junges Instrument betrachtet werden. Zusätzlich
zu der einseitigen Fellbespannung der Rahmentrommel, ist sie auf der gegenüber
liegenden Seite ebenfalls mit einem Fell oder zu Weilen auch mit einer
durchsichtigen Membran aus Plastik bespannt. In ihrem inneren befinden sich
unzählige kleine Metallkugeln. Die Ocean Drum ist wie eine Rahmentrommel mit
Schlegel oder den Fingern spielbar, entfaltet ihren einzigartigen, einem
Regenmacher anmutenden Klang, aber erst bei einer Spielweise die mit Trommeln
nicht viel gemein hat. Der Name stammt daher wohl eher von der Form als von der
Verwendung. Wird die Ocean Drum horizontal zu ihrer Fellseite zum Boden
gehalten, beginnen die Metallkugeln in unzähligen Bahnen und Strukturen über
die Fellinnenseite zu rollen und erzeugen einen ozeanartigen Klang. Bei einer
kontinuierlich schwenkenden Bewegung der Trommel können die Kügelchen in einem
steten Fluss entlang des Fellrandes in Bewegung geraten und so die endlosen
rauschenden Klänge eines Meeres hörbar werden. Es kann zudem eine Art Betonung
durch das gezielte Aufprallen der Kugeln am Rahmen erzeugt werden, was
Assoziationen einer sich brechenden Welle aufleben lässt. Strobel hat diesen
zweifelsfrei sehr archaischen Klang und seine archetypische Bedeutung
beschrieben. Bei seiner nicht wellenförmigen Spielweise ohne jegliche
rhythmisch strukturierende Betonungen entsteht ein Klang der durch sein
Gleichmaß an das weiße Rauschen erinnert. In diesem Rauschen, dass bei dem
Fluss des Bluts durch die Gefäße entsteht, sind viele der hörbaren Frequenzen
enthalten – analog zu weißem Licht, dass mit Hilfe eines Prismas in seine
einzelnen Farbspektren aufgeteilt werden kann. Es kann eine Fülle sich
verwirbelnder, chaotisch in einander überfließender Obertöne entstehen. Eines
der dominanten Symbole dieses Klangs, das in unterschiedlichsten Formen und
Kontexten immer wieder auftaucht, ist das Wasser. Trotz des gleichmäßigen
Spiels berichtet Strobel von Rückmeldungen die Wellen, Brandungen oder Gischt
beschreiben. Auch fließende Gewässer wie Bäche, Stromschnellen, Wasserfälle oder
Flussmündungen die ins Meer übergehen, werden erlebt. Ebenso taucht fallendes
Wasser als Regen, Hagel, Schnee oder gar ein Schneesturm auf. Dies kann direkt
aber auch unter einer Schutzhülle erfahren werden. Umgrenzte Gewässer wie sie
als See, Schwimmbad oder Badewanne denkbar sind, treten sehr selten bis gar
nicht auf. Ein zweites dominantes Symbol ist der Sand. Dieser kann in
unterschiedlichen Körnungen von fein bis grob auftreten, aber ebenso als Kies,
Schotter oder Felsen erlebt werden. Wind findet sich bei Erlebnisberichten eher
in der Verbindung mit einem der beiden dominanten Symbole zum Beispiel als
Sandsturm oder Wellen erzeugendes Element. Thematisch führen die Klänge der
Ocean Drum zu einer der vielleicht bedeutsamsten Erkenntnisse des Mensch-Seins
hin: der Vergänglichkeit. In der Auseinandersetzung mit dem noch Ungeformten,
beziehungsweise dem Formlosen kann die Vergänglichkeit in ihren beiden polaren
Ausprägungen von Leere und Fülle erfahren werden. Auch die Potentialität einer
kosmischen Ursuppe, die, im Symbol des Pendels gesprochen, den Mittelpunkt der
Pole und somit den Zustand höchster Sensitivität gegenüber Impulsen bedeutet,
kann aufleuchten. Die stetige Bewegung des Veränderung bedeutenden
Lebensflusses erkannte bereits der griechische Philosoph Heraklit von Ephesos.
Dieses Stirb und Werde Goethes,
brachte Heraklit bereits zuvor auf den Ausspruch Panta Rhei, was mehrfach interpretiert werden kann. Zentral an
diesen Heraklit’schen Gedanken ist die Bedeutung des im Fluss seins, des nicht
zweimal in den gleichen Fluss steigen könnens
. Die Bedeutung von Sein oder
Nicht-Sein und die Erkenntnis das kein bleibendes Sein existiert schwingen hier
mit. Diese polare Thematik wird auch durch die Ocean Drum erfahrbar. Einerseits
vermag sie feste Strukturen bis hin zur Formlosigkeit aufzulösen. Dies kann
belebend, reinigend oder befreiend, ebenso aber auch beängstigend und
bedrohlich als Wandel vom ICH in die Formlosigkeit (Ich-Auflösung) und Zerfall
in die Atomisierung erlebt werden. Andererseits kann sie, assoziativ zu einer
urweiblichen Qualität, aus dem Chaos die Ordnung entstehen lassen und somit
Formen und Strukturen aus dem Formlosen beleben. Thematisch sind hierbei
Prozesse schöpferischer Neubildung und ein in-Kontakt-kommen mit den
Lebensbildungskräften aufzufinden. Der von Strobel angenommene archetypische
Raum ist gekennzeichnet durch das Erleben jenes formlosen Zustands aus dem wir
kommen und den wir wieder gehen. Es mutet gleichsam wie eine Bewegung des
Lebens an; sie beginnt zum Einen vor der Schöpfung und führt hin zu einer
geformten Gestalt. Zum Anderen löst sie diese Gestalt in die Formlosigkeit auf
und thematisiert in einem frei erfahrbaren archetypischen Raum das „bevor der
Trennung“, erlebbar als das Meer, dass beginnt Wellen zu formen, ebenso wie das
„nach der Trennung“ als Welle die sich im Meer auflöst. Diese beiden
Erlebnisebenen können nicht eindeutig getrennt werden, da sie im Sinne einer
polaren Verbundenheit zwei Facetten eines gemeinsamen Ganzen sind. Wenn dieser
Archetypus aufgrund blockierender Erfahrungen nicht erfahrbar ist, scheint die
stete Bewegung blockiert. Auflösung und Neuschöpfung sind in diesem Zustand
nicht oder nicht ausreichend möglich, können aber blockierende Konflikte
aufleben lassen und deren Bearbeitung forcieren. Damit verbunden kann
Stagnation oder Feststecken, dass nicht-im-Fluss-sein, die verstopfende Starre
erlebt werden. Konkret wird dies, so Strobel, als ertrinken, verschüttet sein
und damit auch als Bedrohung der eigenen Identität empfindbar. Mit diesen
Empfindungen können ebenso Sehnsüchte nach Verwurzelung, Struktur und Halt
aufleuchten. Ontogenetisch setzt er dies in Verbindung mit unzureichenden
ICH-Strukturen, die aufgrund mangelhaft strukturierter und strukturierender
Bezugspersonen des frühen nachgeburtlichen Lebens entstanden sind. Auch kommt
dem akustischen Erleben in der Ontogenese sicher ein besonderer Stellenwert zu.
So ist das weiße Rauschen doch der sinnbildlich Klang der uns am Leben hält,
der Klang der entsteht weil Blut durch unsere Gefäße rinnt und unsere
Lebendigkeit nährt. Verstummt dieses Rauschen bedeutet es Tod. Als früher
Höreindruck des vorgeburtlichen Menschen können Durchblutungsstörungen, die das
eigene Leben und die gesunde Ent-wicklung bedrohen, möglicherweise als
akustische-pränatale Engramme eingeprägt sein, die sich dann nachgeburtlich mit
dem Klang der Ocean Drum in Verbindung setzen können. Die philosophischen
Betrachtungsweisen der Vergänglichkeit könnten damit auch ein ontogenetisch
sehr altes Pendant auf körperlich-seelischer Ebene aufzeigen. Oder ein
jüngeres; denn das gesamte menschliche Leben ist einerseits im Alltag von
Abschied und Neubeginn und andererseits in Extremsituationen, die das Leben
bedrohen, von dem sich ankündigenden Übergang in die Form- und Strukturlosigkeit
geprägt. Intensive Gefühle können hier in Verbindung mit akustischen
Sensationen abgespeichert sein und wie bereits beschrieben als biographische
Erfahrungen aufleuchten oder den Weg in den archetypischen Raum markieren. Die
phylogenetische Bedeutung des Mediums Wasser und der Thematik von Leben und Tod
berührt viele kollektiv geteilte kulturelle und evolutionäre Aspekte der
Menschheit. Auf dieser Ebene ist sicherlich die häufige Entstehung von
Zivilisationen, in Abhängigkeit des Wassers, in Meeresnähe bedeutsam. Das Meer
das neben Nahrung bietendem Fischgrund auch zugleich durch seine Zuflüsse
Trinkwasser spendete und Ackerbau ermöglichte, beherbergt ebenso die
tödlich-stürmische Seite der Vergänglichkeit. Ertrinken und überrollt werden
von Fluten können hierbei für das Meer stehen. Unwetter oder Dürreperioden, die
auch in Zusammenhang mit dem planetaren Klimasystem und dem Wasserzyklus
stehen, können sich in Form ausbleibender oder sinnflutartiger Regenfälle
zeigen, die eine gemeinsame Erfahrungsebene der Menschheit offenbaren. Auch
über den Stamm der Menschen hinaus hat Wasser eine enorme Bedeutung, die sich
in Neusten Forschungsergebnissen zeigt und vermutlich erst in kleine
Bruchstücken verstanden wird.[2]
Gleichsam wie das Wasser die ersten Algen beherbergte und somit die
Sauerstoffproduktion ermöglichte, um eine lebensspendende und -erhaltende
Umwelt zu erzeugen, entwickelten sich erste Tiere vermutlich im Wasser und
kamen danach an Land. Vielleicht hängt damit unsere Affinität zu Wasser als Informationsmedium,
Leben spendendem Gut und Hauptbestandteil des menschlichen Körpers zusammen?
Die Forschungen werden in der Zukunft diesbezüglich sicher interessante
Ergebnisse zu vermelden haben, um uns und unseren Umgang mit der Welt besser zu
verstehen und zu verändern.


In der Gongtherapie wird die Ocean Drum zusammen mit dem Didgeridoo gespielt. Sie erklingt hierbei sowohl in nicht-wellenförmiger als auch in wellenförmiger Spielweise, je nach
Intuition der Musikanten. Zusammen symbolisieren beide die Intensivierung der
intra-uterinen Klänge, sowie die Verstärkung des eigenen Körpergefühls und der
eigenen Sexualität. Sie kündigen die perinatale Matrix II nach Grof an, die
zuerst durch fließendes unrhythmisches Spiel dargebracht wird. Später beginnt
ein konstantes Trommelmetrum in Verbindung mit einem eher rhythmisierenden
Didgeridoospiel, das den Beginn der Wehentätigkeit symbolisieren soll. Strobel
meint gelegentlich eine Verbindung des Klangs der Ocean Drum mit der dritten
perinatalen Matrix auszumachen, die sich dann in Erlebnissen des Feststeckens
beziehungsweise Steckenbleibens äußern kann. Auch das Steckenbleiben im
Tranceerlebnis selbst durch das subjektiv Erlebte wäre denkbar.


 


(vgl. Strobel, 1999, S. 122ff.; Hess, 1999, S. 77ff., in: Musiktherapeutische Umschau, 1999 – Band 20; Persönliche Erfahrungen)






[1] Strobel, 1999, S. 124



[2] Hierzu: Lauterwasser, 2002; Emoto, 2002



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