Overtone Music Network

a common space & database for harmonic overtones

Es kommt irgendetwas Bedrohliches auf mich zu. Ich habe das Gefühl, ich muss irgendwo durch.


Ich werde von einer starken Gewalt in etwas hineingepresst, so ähnlich wie eine Röhre.


Es quetscht mich sehr zusammen, mein Kopf wird gestaucht, meine Schultern werden zusammengedrückt.


Jetzt wird mein ganzer Körper von allen Seiten zusammengepresst.


Das sind sehr starke Kräfte, das ist sehr unangenehm. Jetzt sehe ich ein grelles Licht, es schmerzt.


Jetzt wird es weit und der Druck von allen Seiten lässt nach. [1]


 


Der Gong ist ein Idiophon. Als selbstklingende Metallscheibe die in Folge einer Berührung Schall erzeugt, wird er ferner der Untergruppe der metallenen Aufschlagsidiophone zugeordnet. Gongs bestehen aus
unterschiedlichen Legierungen die meistens aus einem großen Anteil an Bronze
und darüber hinaus aus verschiedenen Anteilen anderer Metalle bestehen. Die
genaue Zusammensetzung ist das Werks- beziehungsweise Familiengeheimnis der
jeweiligen Manufakturen. Es ist daher logisch das es DEN Gong nicht gibt. Zum
Einen gibt es ihn aufgrund der unterschiedlichen Legierungsbestandteile und
daher verschiedener Klangcharakteristiken nicht und zum Anderen gibt es ihn
nicht, da Gongs in Form, Größe und Oberflächenbeschaffenheit zum Teil deutliche
Unterschiede aufweisen. Es gibt sehr kleine Gongs die auf spezielle Grundtöne
gestimmt sind und mit anderen Mitgliedern ihrer Familie das Spiel einer
Tonleiter ermöglichen. Es gibt sehr große Gongs bis zu einem Durchmesser von
zwei Metern, die als symphonische Gongs der Firma Paiste die größten ihrer
Gattung sind. Weiterhin existieren viele verschiedene Größen dazwischen.
Hierbei gibt es Gongs mit und ohne Buckel, ebenso wie solche mit und ohne
umgeschlagenen Rand. Gongs mit umgeschlagenem Rand haben einen eher
zentrierenden Charakter, der sich noch steigert wenn sie eine Kuppel in der
Mitte aufweisen. Hierbei kann der Rand in Materialstärke und Tiefe deutlich
variieren. Demgegenüber existieren auch Gongs die komplett flach sind. Hier
scheint der Klang eher zentrifugal zu sein. Er strahlt mehr ab, zerfließt. Es
macht daher nicht viel Sinn zur Charakterisierung von DEM Gong zu sprechen,
sondern eher von verschiedenen Gattungen und Unterarten des Prinzips Gong. Im
Folgenden handelt es sich um so genannte Flachgongs ohne Schlagbuckel.[2]
Es gibt zwei zentrale Fertigungsweisen der Gongschmiedekunst. Die Gongs aus dem
asiatischen Kulturkreis werden in der Regel aus einem kleinen glühenden Klumpen
Metalllegierung in unzähligen Stunden Arbeit von mehreren Schmieden in die Form
gehämmert die der Gong am Ende aufweist. Eine andere Methode, die unter anderem
von der Firma Paiste und der Firma Sona angewandt wird, unterscheidet sich in
Verarbeitungsart und Klangergebnis deutlich. Hierbei werden Legierungen in
entsprechende Plattenformen gewalzt. Dies führt dazu, dass eine im Vergleich
zur asiatischen Gongform relativ dünne Membran entsteht, die leichter,
flexibler und schwingungsfähiger ist. Diese gewalzten Platten werden zu Beginn
der eigentlichen Verarbeitung mit einem Brenner erhitzt. Hierbei verliert die
Platte an Spannung und verformt sich. Durch das Erhitzen lösen sich die beim Walzen
erzeugten Spannungen der Molekularstruktur auf. Noch glühend, wird der künftige
Gong dann mit Gummihämmern wieder in eine ebene Form gebracht, was zu einer
Neuanordnung der Molekularstruktur führt. Hierbei entscheidet sich zu einem
Teil der spätere Klang des Instruments, weshalb es einige Erfahrung des
Gongschmieds benötigt, diesen Arbeitsschritt souverän und mit einem zufriedenen
stellenden Resultat auszuführen. Im Folgenden wird dann der Randbereich be- und
umgeschlagen und somit eine erste Spannung der Membran erzeugt. Dies geschieht
bei den Gongs asiatischen Ursprungs ebenso. Ein Gong westlicher Produktion
erhält gekonnt durchgeführte Stimmschläge die die Membran weiter spannen oder
lösen und so den Klang beeinflussen bis er zum Schluss mit einer leicht
hervorstehenden Membran im Vergleich zum Randbereich vollendet wird. Der
zentrale Unterschied der Fertigung beider Verfahren ist das Ausgangsmaterial.
Gongs wie sie Paiste oder auch Sona produzieren weisen sich durch eine dünnere
Membran und weniger innere (Ver-)Spannungen aus als asiatische Gongs. Dadurch
wird ihr Klangspektrum berechenbarer und für den therapeutischen Einsatz
wertvoll. Jeder Gong hat seine ihm eigene Persönlichkeit die auch als
Spiegelbild des Besitzers beziehungsweise Spielers angesehen werden kann. Beide
Gongarten erfordern ein sich-einlassen auf das jeweilige Gegenüber um mit ihm
gemeinsam intensiv in Kontakt und andere Sphären übertreten zu können. Die
Klänge eines Gongs können von sehr tiefen brummend-wabernden Geräuschen über sämtliche
Zwischenstufen bis hin in Schwingungsbereiche gehen, die für das menschliche
Ohr unhörbar sind. Oehlmann spricht hier von einer Messung die Frequenzbereiche
von 5-50.000Hz erfasste und eine Dezibelzahl von 130 erreichte. Im
Frankenthaler Gongritual wird ein symphonischer Gong der Firma Paiste mit einem
Durchmesser von 1,50m und einem Gewicht von 75 Kilogramm verwendet, der in drei
Phasen gespielt wird. Dazu später mehr.


Der Ursprung der Gongs ist bis heute nicht erschöpfend ergründet. Es gibt einige Berichte die Gongs auf 2000 Jahre oder älter schätzen und ihn ursprünglich in China, der Inneren Mongolei oder auch Borneo verorten.
All diese asiatischen Regionen in denen der Gong neben dem zeremoniellen
Einsatz zum Gebet respektive der Meditation eingesetzt wurde, sind sicherlich
ein früher Kontakt der Menschen mit Gongklängen. Im christlichen Abendland
haben sich in diesen Zeiten als Pendant eher Glocken als Symbolgeber und
rituelle Gebrauchsgegenstände etabliert. Neben dem zeremoniellen Gebrauch zur Transzendierung
war der Gong ebenso ein Symbol der Herrschenden und Mächtigen, da der Besitz
einer Bronzeplatte gleichzeitig den gesellschaftlichen Status anhob oder
untermauerte. Auch der Gebrauch bei Enthauptungen, die von Gongklängen
begleitet wurden ist überliefert. Hierbei könnte der Gong eine zentrale
Stellung als Symbol der Transformation, des Übergangs in das Reich der Toten
gehabt haben. Andere Berichte die den Gong selbst als Exekutionsinstrument
darstellen scheinen Ausgeburten überschweifender Gedankenwelten zu sein. Es
gibt kein Indiz weshalb Gongklänge tödliche Wirkung auf körperlicher Ebene
haben sollten. Weiterhin existieren Überlieferungen von Gongs im antiken
Griechenland. Bei dem ältesten Orakel der Antike, dem Orakel von Dodona, war
Forschungen zu Folge ein kesselartig gestalteter bronzener Metallgong auf dem
zentralen Platz dieses mystischen Ortes aufgestellt und bildete neben der
großen Eiche von Dodona, die später von den Christen zerstört wurde, einen
zentralen Fixpunkt des Orakels. Durch die kontinuierlichen Winde in Dodona
wurde eine metallene Peitsche in Bewegung versetzt, die den Gong anschlug und so
einen Ort des Klangs erzeugte der für die Antike einmalig gewesen sein dürfte.
Die Verbindung der Gongklänge und der mystisch-magischen Kraft des Orakels sind
ein interessanter Aspekt des damaligen wie gegenwärtigen Gebrauchs dieses
Instruments. Auch in der Gegenwart ist der Gongklang kulturell eingebettet.
Hierbei muss nur an den Pausengong in der Schule oder aber den Gong, der die
Arbeit einläutet beziehungsweise beendet gedacht werden. Auch der Beginn der
Mahlzeiten wird häufig mit einem oder mehreren Gongschlägen markiert. Als
abendländisches Pendant zum Gong sind selbstverständlich auch die regelmäßig
erklingenden Kirchenglocken zu bedenken.


Eine zentraler Aspekt der Anrufung eines Orakels ist die Stagnation in einem Lebensbereich, die Ungewissheit und die Suche nach Rat um wieder in Bewegung zu kommen, einen neuen Impuls zu erlangen der dann in Form
einer Antwort durch das Orakel manifest wird. Dieser Aspekt lässt sich auch in
dem therapeutischen Potential des Gongspiels wiederfinden. Zentral für die
archetypische Klangstruktur des Gongs ist die Thematik des Übergangs mit den
Polen der Stagnation und neuer Bewegung. Strobel konstatiert dem Gong Chau Luo (die oben beschriebene
asiatische Form des Gongs mit umgewalztem Rand) bei einer Spielweise die einen
kontinuierlichen Klang entstehen lässt, ein prozesshaftes Erleben der
Gongklänge durch den Zuhörenden. Dramatische Szenen wie sie im einleitenden
Zitat dargestellt sind können von rascher Veränderung begleitet werden und
tiefgreifende Transformationsprozesse auslösen. Themen aus dem Spannungsfeld
von Geburt und Tod sind sehr häufig anzutreffen. Diese können von intensiven
Gefühlen wie Schmerzen oder Angst begleitet werden. Oehlmann schreibt der Angst
im Erleben der Gongklänge eine Schwellenfunktion zu. Die Angst ist der Wächter
des Fortschritts. Der prozesshaft anmutende Ablauf einer Gongreise die oft
Transformation bedeutet, wird durch die Angst als Entscheidungspunkt forciert.
Entweder findet ein Rückschritt in die wohlvertraute sichere und schützende
Situation und Umgebung, auch wenn sie Unannehmlichkeiten bedeutet statt oder
die Angst wird als Aufforderung, nahezu als Herausforderung erlebt einen
Schritt weiter zu gehen; über sie hinaus zu gehen und an einem neuen Ort
anzukommen. Eine dritte Möglichkeit ist im Erleben zu verweilen oder
steckenzubleiben, da die Angst zu bedrohlich ist und weder Vor- noch
Rückschritte möglich sind. Visuell äußert sich die transformierende Macht der
Gongklänge häufig in Symbolen von vorbeirauschenden Zügen, passierenden
Flugzeugen, einsaugenden Strudeln oder mysteriösen, zu erkundenden Höhlen, die
allesamt das Motiv der Bewegung beinhalten. Gongs sind Vermittler zwischen
Diesseits und Jenseits die zu Weilen auch als ein grenzüberschreitendes
Überrollen empfunden werden und dann die Thematik von Grenze und Abgrenzung
erkennen lassen. In der Gongtherapie steht der Gong für die klangliche
Darstellung der perinatalen Matrizen zwei, drei und vier, die den Verlust der
ersten Lebenswelt im Mutterleib und den Übergang in die nachgeburtliche Welt
symbolisieren. Abschied und Neubeginn sind mit diesem Erleben verbunden.
Erlebnisse in einer Röhre, einem Tunnel oder Kanal zusammengepresst zu werden,
können mit einer Wahrnehmung von Dunkelheit, Anstrengung und bedrohlicher Angst
einhergehen und den realen Geburtsakt in regressiver Ausgestaltung herauf
beschwören. Todesfolter und Geburtsszenarien, die nicht unbedingt die eigene
Geburt betreffen müssen, können mit Einblicken in eine subjektiv erlebte Hölle,
grausamer Folter oder dem eigenen Tod verbunden sein. So wie der Gong konkret
erfahrbare Symbole des Übergangs entstehen lassen kann, ist er ebenso selbst
ein Motiv des Übergangs und kann als Pforte, als Ort des Übergleitens in eine
andere Wirklichkeit angesehen werden – wie im Beispiel der Exekution
beschrieben. Er öffnet mit seinem Klang ein Tor in andere Sphären. Auch Themen
die auf kollektiver Ebene verankert sind, wie zum Beispiel Kriege oder andere
Aspekte des Übergangs können erlebt werden. Allgemein sind Gongerfahrungen von
großer Dynamik und Wandlungsfähigkeit begleitet. Es kann eine dramatische
Zuspitzung mit anschließendem auflösendem Übergang und einer Transformation von
Schwellen- und Grenzerlebnissen stattfinden. Strobel bezieht die Analogie von
Geburt und Tod nicht nur auf das persönliche Erleben der eigenen Biographie,
sondern im übertragenen Sinne auf alle Wandlungs- und Durchgangsprozesse der
irdischen Existenz. Wenn das archetypische Feld frei erfahrbar ist, erscheint
es in der Regel als Schwellensituation, die sich auflöst und verwandelt. Bei
einem blockierten archetypischen Raum ist zu Weilen ein Steckenbleiben im
Erlebnis ersichtlich, was sich auch nach Beendigung der Trance aufrecht
erhalten kann. Hierzu ist ein ritualisierter Ablauf der Rückkehr in den Alltag
und dadurch eine kontrollierte Rücknahme der Trance ein geeignetes Mittel um
dem Verbleiben im veränderten Bewusstsein entgegen zu wirken. Das Steckenbleiben
in unvollendeten Wandlungsprozessen kann ein Thema eines Menschen sein das sich
in der eigenen Biographie wieder finden lässt, unter Umständen auch mit realen
Geburtserfahrungen in Beziehung steht. Ein Durcharbeiten dieser Thematik kann
Bewegung in die Stagnation bringen. Licht, Farben, Helligkeit und die Erfahrung
kosmischer Regionen sind weitere Erlebnisbereiche des Gongs die in transhumanen
Ebenen münden können. Neben der biographischen Aufarbeitung und korrektiven
Neuerfahrung komplexer Systeme in der Trance, konstatiert Oehlmann den
Gongklängen noch zwei weitere Wirkebenen. Er beschreibt meditative Aspekte die
als Sammlung, Zentrierung und tiefe Entspannung mit Kontakt zur inneren Stille
erlebbar sind und als bewusste Begleitung einer Meditation genutzt werden
können. Weiterhin existiert beim Gong eine starke körperliche Resonanzebene,
die in intensiven Wahrnehmungen verschiedener Körperbereiche, sowie
organischer, muskulärer und energetischer Ebenen auftreten kann. Auch wenn
neben der Trance prinzipiell beide andere Wirkbereiche ebenso bei allen anderen
Instrumenten der Gongtherapie auffindbar sind (zum Beispiel:
(Körper)-Monochord, (in den Körper hinein) singen, (über dem Körper mit einem)
Didjeridu spielen, etc…) ist der Gong doch sicherlich dasjenige Instrument, das
ohne direkte Auflage die intensivsten Körperwahrnehmungen hervor zu rufen
vermag. Während Strobel seine Beschreibungen zur archetypischen Dimension des
Gongklangs auf die kontinuierliche Spielweise mit einem asiatischen Chau Luo zurückführt, wird in der
Gongtherapie ein Paistegong gespielt. Die erste Phase wird mit einem großen
Filzschlegel vollzogen, der kontinuierlich und gleichmäßig dem Gong sanfte
Schläge versetzt, sodass sich der Impuls des Spielers langsam über die
schwingende Membran ausbreiten kann. Dadurch beginnt der Gong in tiefen
Frequenzbereichen zu klingen und steigert sich, je nach Tag und Spieler
unterschiedlich, in hohe und laute Frequenzbereiche die im Verlauf dieser
Spielweise wehenartig an- und abschwellen und so die Wehentätigkeit während des
realen Geburtsprozess symbolisieren. In der zweiten Phase wird mit Schlegeln
gespielt, die einen Kautschukkopf besitzen und über ein schmalen Aluminium-
oder Plastikgriff gehalten werden. Mit diesen Schlegeln wird der Gong gerieben,
was je nach Struktur, Größe und Materialbeschaffenheit des genutzten Exemplars unterschiedliche
Klänge erzeugt die sich im Verlaufe des Spiels auf- und abschaukeln können. Die
Klänge erinnern an Walgeräusche und zeitlose Sphären des Schwebens, die Gedanken
an eine Erkundung neuer Horizonte präsent werden lassen. Als dritte und letzte
Phase des Gongspiels kommen Schlegel mit einem wenig elastischen Griff und
einem mit Wolle umsponnenen, im Kern jedoch harten Schlegel zum Einsatz. In
dieser zunächst leise beginnenden Phase kann mit Hilfe der beiden Schlegel
rhythmische Varianz erzeugt werden. Im Laufe des Spiels nimmt, ähnlich wie in
der ersten Phase, die Lautstärke und Intensität tages- und spielerabhängig zu
oder ab, kann bis in Bereiche vordringen in denen das weiße Rauschen
dominierend ist, lediglich einzelne Obertöne kurzzeitig hervorspringen und der
Gong als tosender Sturm auftreten kann. Schläge in die Mitte des Gongs die
einen Glockenton erzeugen und die Botschaft Es
wird Zeit!
übermitteln, beenden die Phase des Gongspiels. Diese im
Gegensatz zum vorherigen Spiel zentripetal wirkenden Glockenschläge, die die
durch den Gong geöffnete Pforte wieder verschließen sollen, können ebenso mit
einem Buckelgong, der tiefere und erdigere Töne erzeugt vollzogen werden. Von
diesem Punkt an schwingt der Gong langsam aus bis er letztlich verklungen ist. Stille
erhält Einzug und vermag die Bedeutung des bipolaren Prozesses der Musik zu
verdeutlichen. Nach einem kurzen Verweilen in der Klanglosigkeit beginnt die Tanpura
den letzten Abschnitt der Klangphasen – die Willkommensmusik für das
Neugeborene beziehungsweise die wieder erwachten Teilnehmer der Gongtrance –
einzuleiten.


 (vgl. Strobel, 1999, S. 92ff.; Zygar, 1994, S. 22ff.; Petzold, 1989; Oehlmann, 1993, S. 289ff., in: Musiktherapeutische Umschau 1993 – Band 14; Persönliche Gespräche mit Dr. Peter
Hess; Persönliche Erfahrungen,)






[1] Strobel, 1999, S. 116



[2] Hierzu vertiefend: Zygar, 1994, S. 19



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Replies to This Discussion

Lieber Timo,
vielen Dank für diese ausführliche Beschreibung und Erläuterung.

Da ich selbst Erfahrungen im Gongschmieden habe, möchte ich Deine Ausführungen ergänzen:

Du hast vergessen zu erwähnen, das Gongs mit einem unspezifischen Klangbild als TamTam bezeichnet werden.
Die "echten" Gongs haben einen Buckel und können nach Noten gestimmt werden.

Das Wesentliche, was ich aber zu ergänzen habe ist folgendes:

Es gibt DREI grundsätzlich unterschiedliche Methoden Gongs zu schmieden, die sich wesentlich auf die Klang-Eigenschaften des Metalls auswirken.
Richtig beschrieben hast Du die asiatische Methode, wobei ich hoffe, daß jetzt nicht auch noch den Gongs eine geheimnisvolle Wunder-Metalllegierung angedichtet wird (Wie bei Klangschalen). Es handelt sich um Bronze (eine Kupfer-Zinn-Legierung), deren genaues Mischungsverhältnis allerdings viel Erfahrung erfordert, die auch durch lange Familientraditionen überliefert wird.
Die Firmen Paiste und Sona verwenden Neusilber (auch Alpaka genannt). Das ist eine Legierung aus Kupfer, Zink und Nickel. Dieses Metall wird zu Blechen ausgewalzt, bei Größen über einen Meter Breite auch quer, da die Industrie so etwas in der Größe üblicherweise nicht herstellt. Diese Bleche werden bei den erwähnten Herstellern nur im Randbereich ausgeglüht, um so den Rand auftiefen zu können, über den dann das hartgewalzte Blech gespannt und gerichtet wird. Es behält dabei aber weitgehend das durch das Walzen entstandene längsgestreckte mikrokristalline Gefüge.
Für die dritte Methode muß das Blech mehrfach über die ganze Fläche gehämmert und ausgeglüht werden. Dadurch verändert sich das Blechgefüge tatsächlich dahingehend, daß es sich wieder homogenisiert, daß heißt die Walzstruktur wird noch weiter umgewandelt. Ein wiederholbares Klangergebnis ist dabei ebenso schwierig zu erreichen, wie bei den asiatische Gongs. Ich persönlich strebe das auch gar nicht an, da durch den individuellen sehr persönlichen Prozeß der Herstellung auch eine ganz andere Seelenqualität des erschaffenen Gongs entsteht, die auch den Gongspieler und Zuhörer viel tiefer berühren kann, als ein standardisiertes Serienprodukt.
Solche Gongs zu schmieden, ist ein erheblicher Arbeitsaufwand und erfordert sehr viel Fachwissen und praktische Erfahrung, weshalb diese Methoden auch nicht so verbreitet ist. Für die Industrie zu aufwändig und für den Einzelnen ist es sehr schwer geeignete Bleche zu bekommen, so habe ich bisher solche Gongs "nur" bis ca. 55 cm Durchmesser geschmiedet. Vor einem Jahr ist es mir gelungen einen mit 105 cm Durchmesser zu bauen. Das war für mich ein echter Durchbruch.

Geeigneten Metalle sind Messing, Bronze, Alpaka und Eisen. Ich persönlich träume auch noch von einem Titan-Gong. Auch das klingt sehr gut und sieht außerdem noch phantastisch aus. Aber für mehr als kleine Klangschalen hat es bisher nicht gereicht.


Einen wirklich gelungenen Gong zu schmieden, fordert den ganzen Menschen. Es gibt Geschichten aus Asien, daß ein Gongschmied einen neuen Namen angenommen hat, wenn ihm ein wirkliches Meisterstück gelungen war. Ich verstehe warum...

...und das Fa. Paiste den "größten Gong der Welt" hergestellt hat halte ich für maßlos übertrieben:

Hello Timo,
thank's for your detailed information. I've been working with Dr. Hess in Frankenthal & Spain. We made a CD from the Gong Ritual sound trance (you can contact me or dr. Hess for further information or to buy the CD). It is a shame that I have to translate all those interesting things in the internet translator... Could be nice if we make it in English.
By the way, you don't talk about the tools used for playing gongs. There are magnific ruber balls (TTE konklang) nowadays and many diferent beaters. All those tools very important, almost as the instrument in itself.
I also play a 45 kg Spring Bowl. Oh, I'd love to come in tour with my arcaic instruments in Germany.
KEEP ON THAT GREAT WORK,
Joel
www.nadis.cat

Hallo Martin,

 

erstmal vielen dank für deine informationen bezüglich der gongschmiedekunst. ich werde das noch mit in den bericht artikel einfließen lassen.

Ich würde gerne mal klangbeispiele von deinen gongs hören. wenn du welche hast, würde ich mich über eine entsprechende information freuen.

bzgl des "größten" gongs der welt: danke das du mir ein entsprechendes bild mit angehangen hast. da habe ich wohl mist geschrieben ;-) ich werde das auch verändern und wenn es fertig ist wieder einfügen.

 

lieben gruß timo

----------------------------

 

dear Joel,

 

I know that you're working with peter. he told me some times. i was near barcelona (st. kristina)last year in august and thought about a trip to mont serat, but there has not been enough time for that.i got the nadis cd some months ago after you uploaded it.

thank you for your hint about the gong rubbers. i will try to give them a place in the gong article. as far as i have enough time to find a bored student i'll try to get a translation into english. by the way, this article is one part of my bachelor-thesis about the gong ritual.maybe it would be better to translate the whole thesis if your interested...

greetings to catalunia

timo

@martin: PS: Christoph Linhuber baut auf die gleiche art wie du gongs. er hat auch einen account hier im forum und außerdem eine homepage.ich habe mal die möglichkeit gehabt einen gong bei ihm bauen zu können, was ein sehr spannender und lehrreicher prozess war.

seine homepage findest du hier KlangKörper

 

Hallo Timo,

wie ich gesehen habe, hast Du die Informationen in Deinem Bericht auch von Johannes Oehlmann bezogen. Der ist ja nun wahrhaftig kein Liebhaber von "Blech"-Gongs, aber zu meinen sagte er vor ca. 16 Jahren: Das ist kein Blech mehr.

Ebenso hat Johannes Heimrath (Geschäftsführer von Sona) meine Art Gongs zu Schmieden als etwas ganz Eigenständiges anerkannt. Und Jenz Zygar habe ich es zu verdanken, daß ich hier mit im Netzwerk bin...

- Soviel zu den erfahrenen Gongspielern...

 

Klangproben meiner Gongs findest Du auf meiner OMN-Seite. "In die Stille" ist der 105 cm Gong und "Weite Wogen" ein achteckiger Gong. Bilder dazu gibt es auch bei meinen Fotos. Ich werde demnächst auch noch mehr davon hochladen.

Die Übertreibung mit dem "Größten Gong der Welt" stammt nicht von Dir, sondern von der Fa. Paiste selbst. Ich finde das kannst Du ruhig auch erwähnen, wenn Du das in Deinem Bericht richtig stellst.

 

Ich kenne auch Christof Linhuber und seine Gongs, aber einen gewissen Unterschied gibt es da doch, was den Umgang mit dem Hammer angeht, denn genau das worauf es mir ankommt, die Umwandlung des mikrokristallinen Gefüges durch langwieriges Hämmern macht er eher weniger.

Ich kenne zur Zeit nur einen Menschen, der auf eine ähnliche Art wie ich Gongs herstellt und das ist die singende Schmiedin aus Paderborn, Dagmar Fischer.  Ich selbst tue es in der dritten Generation, wobei mein Vater und mein Großvater kleine Essens-Gongs aus Messing geschmiedet haben.

@ Timo, noch eine technische Ergänzung: Thaigongs sind teilweise hauchdünn ausgeschmiedet, viel dünner als Blechgongs (ca. 0,3 bis 0,5 mm) was allein deshalb schon eine hohe Kunst ist, weil das Material kalt und warm sehr spröde und brüchig ist. Also, unterschätze die asiatische Schmiede nicht!

Martin

Hier ein etwas älteres Foto, auf dem man recht deutlich sieht, was ich meine, wie gründlich die ganze Fläche übergehämmert wird.

Es geht ja hier in dieser Gruppe um "sound und trance", wobei ich mit der modernen Interpretation bzw. Verwendung des Begriffs "Trance" nicht so viel anfangen kann.
Hat Trance etwas mit Transformation zu tun?
Hier geht es um Transformation.
Das Material wird umgewandelt, wenn der Schmied sich darauf einläßt, sich selbst ganz umwandeln zu lassen. Dadurch entsteht eine ganz neue Klangwirkung des Gongs.

hallo martin,

 

ich meinte mit dem begriff bei gruppengründung soviel wie "Musik und veränderte bewusstseinszustände"...aber während des schmiedeprozesses wirst du ja sicherlich auch in interessante zstände gleiten wenn du dich mit dem metall verbindest.und transformation ist natürlich auch immer ein wichtiger prozess...auf jeden fall eins chönes bild und ich denke ich kann mir vorstellen was du meinst...

 

lg

timo

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