Overtone Music Network

a common space & database for harmonic overtones

 


Du solltest besser zuhören, ich sag’s dir.


Der Zauber des Didgeridoo hat eine ganz eigene Macht.


Wenn es zu dir spricht, dann musst du zuhören! [1]


 


Viele Mythen und Sagen ranken sich um das Didjeridu. Die Vieldeutigkeit beginnt bereits bei dem Namen dieses zur Gruppe der Aerophone gehörenden Instruments. Neben der in dieser Arbeit gewählten
Bezeichnung gibt es viele weitere Schreibweisen, die hauptsächlich von den
verschiedenen Clans der Ureinwohner Australiens stammen dürften. Lindner
spricht in seinem mittlerweile zum Grundlagenwerk über dieses Instrument
avancierten Buchs, von 25 – 40 verschiedenen Bezeichnungen – vermutlich eher
mehr. Das Didjeridu ist eng mit der Geschichte der Aborigines verbunden. Ebenso
wie die vielen verschiedenen Namen, gibt es auch die unterschiedlichsten
Überzeugungen vom Alter dieses Instrumentes, die von wenigen 1000 bis hin zu
40.000 Jahren reichen. Vom australischen Kontinent aus verbreitete es sich in
die Welt, auch wenn es auf allen Erdteilen bereits zuvor Instrumente gab die
der australischen Version dieses Luftschwingers sehr ähnelten. Sattler
beschreibt diverse in seiner Diplomarbeit. Im traditionellen Kontext der
australischen Ureinwohner wird das Didjeridu vorwiegend in einem rituellen
Setting gespielt und ist dadurch gleichsam eng mit der mythologischen Weltsicht
dieses Volkes verbunden. Die Traumzeit, aus der die Aborigines ihrem Weltbild
zu Folge entstammen, beschreibt die verschiedenen Ahnengestalten, deren
Geschichten in den Songlines bewahrt sind. Songlines sind jene musikalisch
bewahrten Abläufe die über die Schöpfung und die Bewegung der Ahnen über das
Land Auskunft geben können. Mehrere dieser Linien ergeben so ein Netzwerk aus
Karten das sich bis in den Kosmos erstrecken kann und das alte Wissen dieses
Volkes enthält. Mit Hilfe der Songlines ist es den Aborigines möglich in die
Traumzeit zu reisen und dort mit den Ahnen in Kontakt zu treten. In westlicher
Sprache wäre die Traumzeit sicherlich mit der Terminologie des veränderten
Wachbewussteins beschreibbar. Das von Termiten ausgehöhlte Eukalyptusholz wird
von den Handwerkern eines Clans oftmals mit kleinen Stöcken abgeklopft, um so
einen klanglichen Eindruck über die innere Beschaffenheit des Stammes zu
erlangen und herauszufinden, ob er sich für ein Instrument eignen könnte. Einen
Großteil der Arbeit am entstehenden Didjeridu übernehmen somit Tiere. Die
Endfertigung wird von Frauen oder Männern des Stammes erledigt. Es wird
berichtet das lediglich im Kindesalter Jungen und Mädchen gleichermaßen zum
Spaß und Lernen das Didjeridu spielen, mit ihrer Initiation in die
Erwachsenenwelt diese Art der Verwendung aufgeben und fortan nur noch im
rituellen Kontext musizieren. Einigen Berichten zu Folge spielen Frauen nach
ihrer Initiation überhaupt nicht mehr. Es gibt jedoch auch genauso umgekehrte
Beschreibungen. Obwohl das Didjeridu aus einer für uns fremden Kultur kommt die
zu dem Instrument ein sehr starkes phylogenetisches Band bewahrt, zieht es auch
Europäer in den faszinierenden Strudel seiner Klänge. Assoziationen zu den
Darmgeräuschen im Mutterleib lassen eine urtümliche Verbindung von Menschen
aller Kulturen plausibel erscheinen. Möglicherweise trägt dies zu der rasanten
Verbreitung des Didjeridus in die Welt jenseits des australischen Kontinents
bei. In der Gongtherapie erklingt das Instrument gemeinsam mit der Ocean Drum,
symbolisiert zum einen die erste perinatale Matrix und kündigt zum anderen
durch die Verstärkung der eigenen Sexualität die zweite an. Dadurch kann die
Einleitung des Geburtsprozesses zum Thema werden. Es wird zu Beginn mit einem
fließenden, unrhythmischen Charakter und einigen obertönigen Verzierungen
gespielt, bevor es gemeinsam mit dem steten Klang eines gleichförmigen
Trommelmetrums in eher monotonen rhythmischen Variationen erklingt und zum Ende
wieder in einer fließenden Art und Weise gespielt wird. Das Didjeridu erscheint
in jedem Fall, vergleichbar der Trommel, als eines der intensivsten und
bedeutsamsten Instrumente für die Klangtrance. Sein Klang kann von sehr
archaischen Gefühlen begleitet werden. Sattler hat hier in der bisher einzigen
Studie dieser Art sehr interessante Ergebnisse bezüglich des Trancepotentials
beschrieben. Symbolisch kann das Didjeridu für den individuellen oder auch
familiären Lebensstrom stehen, der mit der Hilfe der Zirkuläratmung, einer
Atemtechnik zum kontinuierlichen Spielen, immer weiter strömt – oder auch in
Atemnot enden und dann im aktiven Umgang mit dem Instrument näher an die eigene
Geschichte führen kann. Diese Assoziationen bewegen sich eben auch in dem
Spannungsfeld von Geburt – Sexualität – Tod und sind von grundlegender
Bedeutung. Das Didjeridu symbolisiert als „Ahnenrohr“ in der Traumzeit die
Verbindung zu vorangegangenen Generationen der Aborigines, kann dies aber auch
gleichsam in unserer Kultur auf individueller Ebene bewirken und so Licht in
die eigene Geschichte bringen. Die Assoziation des Instruments als mächtiges
penisartiges Phallussymbol ist häufig in Umgang und Ausdruck von Menschen mit
dem Didjeridu zu entdecken. Neuere Entwicklungen der Instrumentenbauer haben
eine schneckenförmige Variante an Land gespült und damit sicherlich ein visuell
sehr interessantes Pendant als Symbol des weiblichen Geschlechts erzeugt.
Klanglich ergibt es keinen Unterschied zwischen beiden Bauarten, da es die Luft
nicht stört ob sie durch ein gebogenes oder gerades Rohr fließt. Die
physikalischen Abläufe hinter diesem archaischen Urklang bleiben ohnehin
bemerkenswert und für die reduktionistische westliche Wissenschaft ein – zum
Glück - bisher ungelüftetes Geheimnis.[2] Der an
Darmgeräusche erinnernde Klang dieses Instruments, in dem ebenso wie im Darm
durch einen Luftstrom Töne entstehen, kann mit locker flatternden Lippen
erzeugt werden. Obwohl das zirkuläre Atmen zu einem kontinuierlichen Luftstrom
aus dem Mund führt, bleiben die Lippen hier dennoch ein Drittel bis die Hälfte
der gesamten Spielzeit verschlossen. Neben dem Grundton lassen sich durch
Veränderungen des Vokaltrakts einzelne Obertöne gezielt verstärken und dadurch
hörbar machen. Rhythmische Verzierungen sind durch bestimmte Lippenbewegungen
möglich und sogar Worte bis hin zu ganzen Geschichten können mit einer dem
Bauchreden nicht unähnlichen Technik in das Spiel eingewoben werden. Durch
Erhöhung der Lippenspannung können zu dem unterschiedliche trompetenartige Töne
in das Spiel integriert werden. Strobel berichtet von dem Archetypus des
Didjeridu, den er durch kontinuierliches Spielen des Grundtons mit sehr wenigen
Obertonverzierungen und ohne rhythmische Strukturierung aufleben lässt und so
den Hörenden einen Kontakt mit diesen Wahrnehmungsqualitäten ermöglicht. Seinen
Berichten nach verbreitet der Klang eine kraftvolle und mächtige Atmosphäre die
von Vitalität und Lust erfüllt ist. Dies geht häufig mit triebhaften Gedanken
und sexuellen Fantasien einher. Intensive körperliche Empfindungen werden
häufig im Bereich des Beckens, des Bauches, aber auch der Darm- und
Geschlechts, samt Analregion wahrgenommen. In Tiersymboliken zeigen sich oft
wilde und brünftige Büffelherden, Elefanten und Hirsche. Erdkröten können für
die matriarchale Kraft dieser Urerfahrung stehen. Neben den Tieren finden sich
häufig auch Berichte der Erdverbundenheit, von den erdenden Energien dieses
Klangs. Assoziative Bilder des Erdbodens, einer ursprünglichen Landschaft, aber
auch von Naturgewalten oder dem Erdinneren können erscheinen. Die Gefühlstönung
bei diesen Erlebnissen kann ebenso animalisch und ursprünglich wie
dementsprechend auch roh und brutal sein. Bilder aus der Frühzeit des Menschen
und seinem Überlebenskampf in einer auch gefährlichen Welt können sich in
Aggressivität oder Lebensfreude entfalten. Wie bereits erwähnt kann es ebenso
zu triebhaft-sexuellen und vitalisierenden Erlebnissen in Verbindung mit der
eigenen Körperlichkeit kommen. Männer erleben sich hierbei häufig in ihrer
Männlichkeit und Frauen in ihrer Weiblichkeit, was auf eine überindividuelle
Thematik des Yin und Yang aus den asiatischen Philosophien schließen lässt.
Strobel sieht pränatale Erlebnisregressionen als eher selten an und wenn, dann
in Verbindung mit dem Gefühl auf einem sicheren Urgrund zu wandeln. Falls
dieser archetypische Raum, zum Beispiel durch sexuelle Übergriffe blockiert
ist, vermag der Klang des Didjeridu diese Erlebnisse in das Bewusstsein zu
bewegen und so zur Bearbeitung zu offenbaren. Neben Missbrauchsthematiken
können auch anderweitige sexuelle Bedrohungen, abstoßende Obszönitäten oder
weitere schmerzliche Erfahrungen von Sexual- und Leibfeindlichkeit bewusst
werden. Ein weiteres Themenspektrum der blockierten Erlebnisform können
Probleme mit dem Geerdet-sein, der eigenen Körper- und Sinnlichkeit oder
Erfahrungen aus dem Bereich der eigenen Sexualität und Aggressivität sein.


(vgl. Persönliche Gespräche mit Dr. Peter Hess; Persönliche Gespräche mit Jochen Sattler, Persönliche Erfahrungen; Strobel, 1999 , S. 119ff. / S. 143ff.; Lindner,  , S. 47
ff.; Lindner, 2004; Sattler, 1994; )






[1] Bill Neidjie, in: Lindner, 2004, S. 88



[2] Hierzu: Hollenberg, 2004, S. 105ff. in: Lindner - Das Didgeridoo Phänomen ; http://www.didgeridoo-physik.de



This content has been seen 31 times

Sponsored by:

Latest Activity

Ilaria Orefice updated their profile
Jul 16
Aionigma posted a video

Aionigma: ODE TO JOY | ODE AN DIE FREUDE (Overtone Singing)

Aionigma performing Beethoven´s famous "Ode to joy" @ Maria Wörth, Carinthia, Austria Bernhard Mikuskovics: Overtone Singing, Guitar Gerhard Kowarz: Overtone...
Jul 12
Madli Marje Sink is now in contact with Jens Mügge
Jul 11
Madli Marje Sink is now a member of OMN ...

Welcome Madli Marje Sink!
Jul 11
Aionigma posted a video

Aionigma: ALLELUJAH (Gregorian Chant & Overtone Singing)

Aionigma performing "Allelujah" @ Maria Wörth, Carinthia, Austria Bernhard Mikuskovics: Gregorian Chant, Overtone Singing Gerhard Kowarz: Gregorian Chant, Ov...
Jul 8
Skye Løfvander posted a blog post
Jul 2
Rebecca is now a member of OMN ...

Welcome Rebecca!
Jul 2
A-u-r-e-l-i-o updated their profile
Jun 23

© 2007 - 2019   Impressum - Privacy Policy - Sponsored by Yoga Vidya, Germany -   Powered by

 |  Support | Privacy  |  Terms of Service